Mit dem iiRDS-Koffer hinaus in die Content-Delivery-Welt

Der von der tekom ins Leben gerufene iiRDS-Standard ist in aller Munde. Doch was verbirgt sich hinter iiRDS und worauf kommt es bei der erfolgreichen Nutzung im Hinblick auf Content Delivery an? Dieser und weiteren Fragen widmete sich der Fachvortrag Mit dem iiRDS-Koffer hinaus in die Content-Delivery-Welt“ von Stephan Steurer und Jan Oevermann auf der tekom Jahrestagung 2018.
Den Download der Vortragsfolien finden Sie hier.

 

Wohin soll die Reise gehen und welche Art von Reise ist geplant?

Aus unserer Beratertätigkeit sind uns die Problematiken beim erfolgreichen Einsatz von Content Delivery bekannt. Selten liegt es an der Technologie, vielmehr an einer unpräzisen Zieldefinition. Deshalb sollte zuerst klar sein, wohin die Reise geht, d.h. welchen Vorteil Content Delivery konkret bringen soll.

Sucht ein Anwender eine bestimmte Information, musste er bis dato die seitenlange Dokumentation zu Rate ziehen und auf herkömmliche Suchfunktionen wie z.B. die Volltextsuche oder das Inhaltsverzeichnis zurückgreifen. Das Suchen nach der Information nimmt Zeit in Anspruch, die der Anwender oft nicht hat. Im schlimmsten Fall findet er die Information nicht. Content Delivery sagt diesem Informationsdickicht den Kampf an: Es geht um eine effiziente und gezielte Bereitstellung der Information. Mit Hilfe von Content-Delivery-Portalen wird die Information webbasiert und modular bereitgestellt. Der besondere Vorteil liegt in den content-bezogenen Suchmechanismen und dem zielgruppenspezifischen Zugriff (Vgl. Prof. Dr. Wolfgang Ziegler (2013): Alles muss raus – Content Delivery auf Basis modularer Informationen“. In: Tagungsband zur tekom Jahrestagung 2013)

Content Delivery ist nicht gleich Content Delivery. Informationen sollen zur richtigen Zeit, am richtigen Ort, im richtigen Medium angeboten werden können. Dennoch gibt es verschiedene Ansätze, die man im Vorfeld diskutieren sollte. Möchte man Content Delivery auch intern, z.B. zu Schulungszwecken nutzen, oder ausschließlich extern? Soll es zusätzlich zur Portal-Lösung eine App geben, die auch offline Informationen verfügbar macht? Die meisten Hersteller von Redaktionssystemen haben ihr Produktspektrum um ein entsprechendes Content-Delivery-Portal erweitert und bieten eine enge Integration zwischen CMS und CDP. Eine Auswahl an Referenz-Implementierungen finden Sie unter www.pi-fan.de.

 

Was für Sachen werden benötigt und wo sind sie verstaut?

Der Clou liegt in der Intelligenz der modularen Informationen. Durch die Klassifikation der Inhalte können sie entsprechend gefiltert werden und so eine bestimmte Suchabfrage gezielt bedienen. Als Klassifikationsmethode hat sich die PI-Klassifikation etabliert, unter deren Anwendungen die herkömmlichen Informationen mit Metadaten angereichert werden können und dadurch zu intelligenten Informationen werden.

Bevor man alle Sachen in den Koffer packt, muss man sich zunächst überlegen, wo diese Sachen denn liegen. Neben den CMS-Modulen, die in der Regel einen großen Anteil der angebotenen Informationen ausmachen, gibt es weitere Datenquellen, die in einem Content-Delivery-Portal integriert werden wollen. Dazu zählen beispielsweise aggregierte PDF-Dokumentationen (z.B. Zulieferdokumentation) oder Service-Reports.

 

Welches Gepäckstück passt am besten und wie werden die Sachen richtig verpackt?

Hier kommt iiRDS (Intelligent Information Request and Delivery Standard) ins Spiel. Es handelt sich dabei um einen Standard, der ein Paketformat und gleichzeitig ein Metadatenmodell zum Austausch von Informationen definiert. Auf diese Weise wird Content Delivery unabhängig von einem bestimmten Portal bzw. Hersteller und Informationen können von A nach B auf Reise geschickt werden, ohne dass es zu Gepäckverlusten kommt.

Der Koffer symbolisiert das iiRDS-Paketformat. Ein Badge am Koffer, wie man es von Flugreisen kennt, identifiziert den Koffer. Diese Identifikation des Koffers geschieht über Metadaten (z.B. Flugnummer, Name des Reisenden, usw.). Im iiRDS-Standard sind diese Metadaten im Metadatenmodell definiert. Welches Informationsformat in den Koffer gepackt wird (XML, PDF oder andere DTP-Formate), ist letztlich nicht relevant. Die Verzeichnisstruktur innerhalb des Koffers, d.h. das Paketformat, hingegen schon. Das Paket enthält eine mimetype-Datei, die Metadaten-Definition als RDF-Schema und die eigentlichen Inhalte. Das RDF-Schema ermöglicht es, die Metadaten untereinander zu vernetzen. Auf übergeordneter Ebene sind durch den Standard viele Klassen definiert, können aber auch erweitert werden.

Dies bewirkt, dass alle Koffer einheitliche Kofferanhänger tragen und dadurch leicht identifiziert werden können. In der Praxis hilft das z.B. dem Zulieferer, der die Dokumentation im iiRDS-Koffer an mehrere Kunden versenden kann und sich somit das Schnüren von kundenspezifischen Paketen erspart. Ein Hersteller, der Dokumentationen von mehreren Zuliefern erhält, kann diese nun problemlos in sein Content-Delivery-Portal einspielen, ohne dass Anpassungen zur Integration vorgenommen werden müssen.

Um die Inhalte richtig zu verpacken, sollten neben dem Standard natürlich auch grundlegende Konzepte beachtet bzw. eingehalten werden. Das betrifft alle Konzepte rund um die Inhaltserstellung (z.B. Modularisierung, Klassifikation, Variantenmanagement), die internen Informationsprozesse sowie die Qualität der Quelldaten (Struktur, Standardisierung). Dies ist besonders wichtig mit Blick auf die Intelligenz in den intelligenten Daten: Je mehr Metadaten die Inhalte tragen, desto mehr Nutzen lässt sich nachher hieraus ziehen. iiRDS erstellt nicht automatisch diese Metadaten, sondern stellt ein einheitliches Format dafür bereit. Die eigentlichen Metadaten müssen weiterhin durch Redakteure erstellt werden.

Außerdem müssen die technischen Voraussetzungen für den iiRDS-Export sowie iiRDS-Import geschaffen sein – hier sind die Systemhersteller gefragt.

 

Wer kann beim Packen helfen?

Sollten Sie beim Packen Hilfe benötigen, kontaktieren Sie uns, gerne beraten wir Sie bei Ihren individuellen Reisewünschen.